COPD-Exazerbationen stellen eine erhebliche Belastung für Patienten dar und sind mit einer Verschlechterung der Prognose, mit häufigen Hospitalisierungen und erhöhter Mortalität verbunden. Daher sollte die Prävention einer Exazerbation oberste Priorität haben. Aktuelle Erkenntnisse zeigen geschlechtsspezifische Unterschiede in der Prävalenz, Symptomatik und dem Exazerbationsrisiko. Besonders Frauen sind häufiger von Fehldiagnosen betroffen und weisen eine schlechtere Lebensqualität auf. Ein effektives Management umfasst die frühzeitige Diagnose, präventive Maßnahmen sowie individuell angepasste medikamentöse und nicht medikamentöse Therapien.

COPD-Exazerbationen: alle gleich? Geschlechtsspezifische Unterschiede

Infektionen und Harnsteine – von der Diagnostik zur richtigen Therapie
Harnsteine können sowohl Ursache als auch Folge von Harnwegsinfekten (HWI) sein. Der diagnostische und therapeutische Algorithmus ist jedoch unabhängig von der Entität weitgehend ähnlich. Einen hohen Stellenwert nimmt hierbei die Beseitigung der Obstruktion ein, da ein Harnaufstau eine Verschlechterung der Nierenfunktion und die Entstehung einer Urosepsis begünstigt. Kommt es dennoch zu einer Urosepsis, sind Procalcitonin (PCT) und Laktat wichtige Marker – sowohl für die Diagnostik als auch für das Therapiemonitoring. Therapeutisch sind darüber hinaus eine frühzeitige empirische Antibiotikatherapie und Flüssigkeitssubstitution indiziert. Aufgrund der zunehmend angespannten Resistenzlage müssen hierfür gegebenenfalls auch neuere Antibiotikakombinationen evaluiert werden.

Update: Diabetische Neuropathie erfolgreich diagnostizieren und therapieren
Etwa jeder dritte Mensch mit Diabetes ist von einer diabetischen Neuropathie betroffen. Diese kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken – vor allem durch quälende neuropathische Schmerzen, aber auch durch Missempfindungen oder Taubheitsgefühl in den unteren Extremitäten. Die klinische Untersuchung ergibt neuropathische Defizite (Zeichen) wie Reduktion oder Verlust der Berührungs-, Druck- oder Vibrationsempfindung, die eindeutige Prädiktoren für die Entstehung von Fußulzera und erhöhter Sterblichkeit sind. Fußulzera wiederum erhöhen bei Diabetespatienten die Morbidität und Mortalität erheblich. Trotz potenziell schwerwiegender Folgen wird die diabetische Neuropathie in Deutschland häufig nicht diagnostiziert und nicht therapiert. Daher sollten Diabetespatienten regelmäßig einem Screening auf das Vorliegen einer diabetischen Neuropathie zugeführt und frühzeitig behandelt werden. Die Therapie der diabetischen Neuropathie basiert auf den drei Säulen kausale Therapie, pathogenetisch orientierte Therapie und symptomatische Schmerztherapie. Ergänzend kommen nicht pharmakologische Maßnahmen zum Einsatz.

Ausgewählte Bewegungsstörungen und ihre Behandlungsoptionen: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
Unter dem Begriff Bewegungsstörungen (engl. „movement disorders“) werden verschiedene Erkrankungen und Syndrome zusammengefasst, die sich durch Störungen der Motorik auszeichnen. Nach Schlaganfällen und epileptischen Anfällen stellen Bewegungsstörungen die dritthäufigste Erkrankungsgruppe in der Neurologie dar. Bewegungsstörungen verursachen häufig einen erheblichen Leidensdruck. Die intramuskuläre Injektion von Botulinumtoxin A hat sich als effektives, sicheres und nebenwirkungsarmes Therapieverfahren bei verschiedenen Bewegungsstörungen etabliert. Chancen und Grenzen dieser Therapieoption werden gemeinsam mit den entsprechenden fallbasierten Erfahrungen aus der Neurologie dargestellt. Zudem werden innovative Ansätze mit rekombinanten Neurotoxinvarianten sowie neuromodulatorische und neurostimulatorische Verfahren vorgestellt.

Individualisierte Therapie des Prostatakarzinoms: Von Mikrobiom bis Tripeltherapie
Auf dem diesjährigen Uro Expert Summit wurden auch neue Daten zum Prostatakarzinom von der letzten ASCO-GU-Tagung vorgestellt und diskutiert. Neben erstmaligen Daten zum Zusammenhang zwischen Darmgesundheit und Prostata-spezifischer Antigen-(PSA-)Progression wurden neue Daten aus den ENZA-P-, TALAPRO-2- und AMPLITUDE-Studien bei Patienten mit einem metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC) präsentiert. Die EMBARK-Studie belegt bei Patienten mit einem in der konventionellen Bildgebung nicht metastasierten Prostatakarzinom, mit einem biochemischen Rezidiv (BCR) und mit hohem Progressionsrisiko die Wirksamkeit von Enzalutamid und Leuprorelin. Ein Schwerpunkt war die aktuelle Darstellung des Stellenwertes von Dual- und Tripeltherapie mit Darolutamid bei Patienten mit einem metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinom (mHSPC) basierend auf den Ergebnissen der ARANOTE- und ARASENS-Studien. Eine alleinige Androgendeprivation ist bei diesen Patienten zunehmend obsolet und hat in der aktuellen S3-Leitlinie keine Empfehlung mehr. Der PSA-Nadir etabliert sich durch neue Analysedaten als wichtiger prognoserelevanter Faktor beim mHSPC. Ein gutes Sicherheitsprofil der Kombinationspartner ist für die Dual- und Tripeltherapie relevant.

Psoriasis und Adipositas: Chancen der Biologikatherapien
Psoriasis betrifft nicht nur die Haut, sondern ist auch mit einem erhöhten Risiko für Begleiterkrankungen, insbesondere für die Adipositas und das metabolische Syndrom, assoziiert. Bei der Therapieauswahl sind sowohl objektive Kriterien wie der Schweregrad der Erkrankung als auch patientenbezogene Faktoren entscheidend. Ein „shared decision making“-Ansatz ermöglicht eine individualisierte Therapie, die frühere Behandlungserfahrungen und Präferenzen der Patienten berücksichtigt. Lebensstilinterventionen sind wirksam zur Reduzierung kardiometabolischer Erkrankungen bei Psoriasis-Patienten, jedoch oft schwierig umzusetzen. Pathophysiologische Wechselwirkungen zwischen Haut- und Fettgewebe bieten Ansatzpunkte für eine kombinierte Therapie von Psoriasis und Adipositas. T-Helfer(TH)17-Zellen und die Interleukin-(IL-)-17-Familie spielen hier eine zentrale Rolle. Daher sind moderne Biologika, die gezielt die IL-17-Signalwege blockieren, sehr effektive Therapien. Ein erhöhtes Körpergewicht kann jedoch die Wirksamkeit einiger dieser Biologika beeinträchtigen. Anpassungen der Dosis oder des Behandlungsintervalls sind möglicherweise notwendig, um die gleiche Wirkung zu erzielen wie bei normalgewichtigen Patienten.

Sprunggelenkdistorsion: Diagnostik, Therapie und Rehabilitation in der Praxis
Die Sprunggelenkdistorsion gehört zu den häufigsten Verletzungen, nicht nur im Sport. Auslöser ist meist ein Umknicken, wobei vor allem die Außenbänder betroffen sind. Bei Fehlversorgung leiden vielen Patienten langfristig an Schmerzen und Instabilität, was eine rechtzeitige und evidenzbasierte Diagnose und Therapie essenziell macht. Die „Ottawa ankle rules“ helfen, unnötige Röntgenaufnahmen zu vermeiden, indem sie gezielt auf Schmerzen und Bewegungseinschränkungen prüfen. Die Sonografie ermöglicht eine strahlungsfreie, dynamische Darstellung von Bändern, Sehnen und Gelenken, besonders bei chronischen Verletzungen. Therapeutisch stehen funktionelle Unterstützung durch Orthesen, frühzeitige Mobilisation, Kryotherapie und gezielte Rehabilitation im Fokus. Topische Schmerzmittel wie nicht steroidale Antirheumatika oder Tr14 haben in Studien ihre Wirksamkeit gezeigt, während andere topische Ansätze wie Zinkoxid experimentell bleiben. Unzureichende Rehabilitation und ein verfrühter Sportwiedereinstieg erhöhen das Risiko für Rezidive und persistierende Beschwerden. Moderne Rehabilitationsansätze setzen auf individuelle, kriterienbasierte Programme, die Fortschritte durch Tests wie den Ankle-Function-Score überwachen. Solche Ansätze ermöglichen eine sichere Rückkehr zum Sport und minimieren Rezidive.

Prävention viraler Atemwegserkrankungen: RSV, Influenza und COVID-19 im Fokus
Akute Atemwegserkrankungen, die beispielsweise durch das Respiratorische Synzytial-Virus oder durch Influenzaviren ausgelöst werden, treten zumeist saisonal auf, während COVID-19 (ausgelöst durch das Schwere Akute Respiratorische Syndrom-Coronavirus-2 (SARS-CoV-2)) oftmals ganzjährig zu Krankheitshäufungen führt. Alle drei ähneln sich durchaus bzgl. ihrer Symptome und Risikogruppen. Diese viralen Infektionen können mitunter zu schweren Krankheitsverläufen, Hospitalisierungen und sogar zum Tod führen. Antivirale Therapien gegen Influenza oder COVID-19 sind oftmals speziellen Indikationen vorbehalten, weshalb bei einer Vielzahl der Patienten nur eine symptomatische Therapie durchgeführt werden kann. Umso wichtiger sind daher aktive Immunisierungs-strategien zur Prophylaxe. In Deutschland stehen mittlerweile für alle drei Erkrankungen Impfungen zur Verfügung, wobei die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) Impfempfehlungen für die jeweiligen Zielgruppen ausspricht. Im Folgenden werden wichtige Aspekte zu diesen Erkrankungen, den Risikogruppen und empfohlenen Impfstrategien in Deutschland zusammengefasst.

Die Vitamine B6, B12 und Folsäure – Synergismus im zellulären Stoffwechsel
Die Vitamine B6, B12 und Folsäure sind für Stoffwechselwege der Energiegewinnung und der Regeneration des Organismus notwendig. Bei einem Defizit kommt es zunächst meist zu unspezifischen Symptomen wie Erschöpfung, Müdigkeit oder Vitalitätsverlust, bevor klinische Zeichen auftreten. Ein Mangel kann zudem den anabolen Stoffwechsel von Hormonen und Neurotransmittern direkt stören und somit zu depressiven Verstimmungen führen. Zu den Risikofaktoren einer Unterversorgung zählen z. B. die Einnahme bestimmter Medikamente, Resorptionsstörungen, vegane und vegetarische Ernährung, zunehmendes Alter und große psychische Belastungen. Ein Serumvitamin-B12-Spiegel im Referenzbereich schließt das Bestehen eines funktionellen Mangels nicht aus. Dieser kann besser durch Nachweis der Marker Holotranscobalamin und Methylmalonsäure belegt werden. B-Vitamine lassen sich durch orale oder parenterale Gaben supplementieren. Ein relevanter Teil der Bevölkerung kann orale B12-Gaben nicht absorbieren, sodass hier eine parenterale Supplementierung von Vorteil ist.

Die Bedeutung der Vitamine B6, B12 und Folat für den Erhalt der kognitiven Leistungsfähigkeit
Die Anzahl der von einer Demenz betroffenen Menschen wird weltweit in den nächsten Jahrzehnten deutlich ansteigen. Solange die Erkrankung nicht wirksam behandelt werden kann, ist die relevante Verlangsamung der Krankheitsentwicklung von der leichten kognitiven Funktionseinschränkung bis zur Demenz von erheblicher Bedeutung. Kognitive Funktionseinschränkungen sind mit erhöhten Homocystein- und niedrigen Folatspiegeln assoziiert. Homocystein entsteht intermediär bei Methylierungsprozessen im C1-Stoffwechsel und wird dort B-Vitamin-abhängig zu Methionin recycelt oder zu Cystein und Glutathion metabolisiert. Ein Mangel an B-Vitaminen führt zu einer Hyperhomocysteinämie. In-vitro-Studien haben gezeigt, dass Homocystein direkt Nervenzellen schädigt und möglicherweise in für die Alzheimer-Demenz charakteristische pathophysiologische Prozesse involviert ist. Die Substitution mit B-Vitaminen zum Erhalt der kognitiven Leistungsfähigkeit kann sinnvoll sein, wenn ältere Menschen erhöhte Homocystein- oder einen erniedrigten B-Vitaminspiegel haben und bereits beginnende, milde kognitive Einschränkungen vorliegen. Eine langfristige Substitution mit adäquaten Dosierungen ist wichtig.

Impfen gegen das Respiratorische Synzytial-Virus – zum Schutz älterer Erwachsener
Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist ein Erreger akuter Atemwegsinfektionen mit hoher Prävalenz. Besonders gefährdet sind Säuglinge, Kleinkinder und ältere Erwachsene. Bei ihnen können RSV-Infektionen zu schweren Krankheitsverläufen, Hospitalisierungen und sogar zum Tod führen. Eine ursächliche Therapie gibt es nicht - lediglich die akuten Symptome können behandelt werden. Lange Zeit gehörte RSV zu den Atemwegsviren, für die es keine aktive Immunisierung gab. Proteinbasierte Impfstoffe markierten jedoch den Durchbruch in der Immunprophylaxe für Erwachsene und zeigten in klinischen Studien eine hohe Wirksamkeit gegen RSV-assoziierte Erkrankungen der unteren Atemwege. In der Europäischen Union sind derzeit zwei proteinbasierte und ein mRNA-basierter RSV-Impfstoff zum Schutz vor RSV-bedingten tiefen Atemwegsinfektionen zugelassen. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission eine einmalige RSV-Standardimpfung für Erwachsene ab 75 Jahren sowie für vorerkrankte Personen im Alter von 60 bis 74 Jahren, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren RSV-Krankheitsverlauf haben.

Highlights vom ASCO und ASCO-GU – Update Prostatakarzinom
Auf der letzten Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) und dem ASCO-Genitourinary (GU) Cancers Symposium wurden wieder interessante Ergebnisse von zahlreichen kleineren Studien zum Prostatakarzinom präsentiert. Bei Patienten mit einem metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC) mit Mutationen der homologen Rekombinationsreparatur (HRR) wurden weitere Daten vorgestellt, die den Vorteil einer First-Line-Kombination aus Androgenrezeptor-Signalweg-(ARPI-)Inhibitor und Poly-(ADP-ribose-)Polymerasen-(PARP-)Inhibitor stützen. Zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) wurde auch beim mCRPC als relevanter Prognosemarker bestätigt. Nebenwirkungen einer Androgendeprivationstherapie (ADT) können mit einer kognitiven Verhaltenstherapie günstig beeinflusst werden. Bei Patienten mit einem metastasierten hormonsensiblen Prostatakarzinom (mHSPC) ist zur Therapiesteuerung auch eine regelmäßige Bildgebung wichtig. Wichtigstes Behandlungsziel beim mHSPC ist die Verlängerung der Zeit bis zur Kastrationsresistenz. Eine früh einsetzende Dreifachtherapie mit ARPI, Docetaxel und ADT erzielte bislang sehr gute Ergebnisse, was weitere Auswertungen der ARASENS-Studie eindrucksvoll belegen.

