Die S3-Leitlinie Prostatakarzinom enthält in der Version 8.1 zahlreiche neue Empfehlungen zur Diagnose und Therapie des Prostatakarzinoms, die der zunehmenden Personalisierung Rechnung tragen. Neben der aktiven Überwachung von Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom, dem zeitnahen Beginn der Androgendeprivation (ADT) und der Einteilung der Patienten im Stadium eines metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinoms (mHSPC) nach Tumorlast, Risiko und Metastasierungstyp wurde die Tripeltherapie mit zwei neuen Empfehlungen implementiert. Voraussetzung für die Tripeltherapie ist die Eignung zur Chemotherapie. Wenn metastasierte Patienten in die Kastrationsresistenz übergehen (mCRPC), soll zunächst eine Diagnostik von genetischen Alterationen der homologen Rekombinationsreparatur (HRR) erfolgen. Wird eine pathogene BRCA1/2 (Breast Cancer Gen)-Alteration nachgewiesen, soll eine PARP (Poly(ADP-Ribose)-Polymerase)-Inhibitor-Therapie als Monotherapie oder in Kombination mit einem ARPI (Androgenrezeptor-Pathway-Inhibitor) erfolgen. Bei Nachweis einer anderen HRR-Alteration sollte eine PARPi/ARPI-Kombination in Abhängigkeit von der Vortherapie eingeleitet werden.
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PARP-Inhibitoren in der Onkologie: Fokus auf Prostata-, Ovarial- und Mammakarzinom
Die Integration genetischer Diagnostik und moderner molekular zielgerichteter Therapien verändert die uroonkologische Versorgung grundlegend. „BReast CAncer gene 1/2“-(BRCA1/2-)Mutationen spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie Prognose und Therapieoptionen wesentlich beeinflussen. Während in der Gynäkoonkologie standardisierte Teststrategien etabliert sind, erfolgt die Testung in der Uroonkologie derzeit weniger einheitlich und ist stärker von den jeweiligen Versorgungsstrukturen abhängig. Poly(ADP-Ribose)-Polymerase-(PARP-)Inhibitoren haben sich beim Ovarialkarzinom, Mammakarzinom sowie beim metastasierten kastrationsrefraktären Prostatakarzinom (mCRPC) als wirksam erwiesen. Dort zeigen sich in der Gesamtpopulation klinische Vorteile gegenüber der Standardtherapie, wobei die Effekte bei BRCA-positiven Patienten besonders deutlich ausgeprägt sind. Die orale Therapieform und das insgesamt gut handhabbare Nebenwirkungsprofil erleichtern die klinische Anwendung. Entscheidend sind strukturierte Aufklärung, engmaschige Kontrollen und ein konsequentes Management relevanter Nebenwirkungen wie Anämie und Fatigue.
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Neues zur personalisierten Therapie des Prostatakarzinoms
Die zunehmende Evidenz aus systematisch geplanten klinischen Studien, die auf Subgruppenanalysen bereits vorhandener Daten sowie auf aktuellen molekularpathologischen Erkenntnissen basieren, eröffnet auch beim Prostatakarzinom neue präzisionsmedizinische Behandlungsoptionen. Dazu zählen nicht nur eine verbesserte Abschätzung von Malignität und Prognose im Vorfeld, sondern auch die Möglichkeit einer gezielten, personalisierten Therapie. Eine Inaktivierung des Tumorsuppressors PTEN durch genetische Alteration führt zu einer konsekutiven Aktivierung des PI3K-AKT-Signaltransduktionsweges. Dieser treibt das Tumorwachstum unabhängig vom bekannten Androgen-Rezeptorsignalweg voran. Hier ergeben sich neue Behandlungsansätze mit AKT-Inhibitoren. Je komplexer die Behandlungsstrategien und je mehr chronische Komorbiditäten vorliegen, desto mehr müssen Arzneimittelwechselwirkungen beachtet werden. Durch Interaktionen ausgelöste pharmakokinetische Veränderungen bedeuten nicht automatisch eine Änderung der Dosierung. Ein engmaschiges Monitoring nach den Vorgaben der Fachinformationen ist zielführend.
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Diagnose und Therapie des fortgeschrittenen Endometriumkarzinoms
Das Endometriumkarzinom zählt mit >11.000 Neuerkrankungen jährlich zu den häufigsten gynäkologischen Malignomen in Deutschland. Eine vollständige molekulare Charakterisierung gehört gemäß aktuellen Leitlinien zum Standard für eine optimale Therapieplanung. Die moderne Therapie basiert zunehmend auf dieser präzisen molekularen Tumorcharakterisierung. Die „Fédération Internationale de Gynécologie et d'Obstétrique“-(FIGO-)Klassifikation von 2023 integriert nun erstmals zusätzlich zu den bereits bekannten Faktoren auch die molekularen Parameter.In der Erstlinientherapie des fortgeschrittenen Stadiums hat die Kombination von Checkpoint-Inhibitoren (Pembrolizumab, Dostarlimab, Durvalumab mit oder ohne Olaparib) mit Chemotherapie (Carboplatin/Paclitaxel) einen Durchbruch im Hinblick auf das Überleben gebracht. Bei Mismatch-Repair-defizienten (dMMR) Tumoren zeigt sich eine Risikoreduktion von bis zu 70 %, aber auch deutlich bei profizientem Mismatch-Repair (pMMR) profitieren Patientinnen. Zusätzlichen Nutzen bringt eine Poly(ADP-Ribose)-Polymerase-(PARP-)Inhibition in Kombination mit Durvalumab bei pMMR-Tumoren. Zweitlinienoptionen umfassen bei immuntherapienaiver Situation Mono-Checkpoint-Inhibition bei dMMR oder Lenvatinib plus Pembrolizumab bei pMMR oder Monochemotherapie sowie endokrine Therapien bei hormonrezeptorpositiven Tumoren.
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Neues zur Therapie des metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinoms
Zur Therapie von Patienten mit einem metastasierten hormonsensiblen Prostatakarzinom (mHSPC) empfiehlt die S3-Leitlinie Prostatakarzinom in Abhängigkeit von patientenindividuellen Faktoren entweder eine Doubletten-Therapie mit Androgendeprivation (ADT) und Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitoren (ARPI) oder eine Triplett-Therapie mit der zusätzlichen Gabe von Docetaxel. Positive Studienergebnisse zur Triplett-Therapie liegen für Abirateron/Prednison und Darolutamid vor. Die Einschätzung des Tumorvolumens erfolgt leitlinienkonform mit konventionellen Methoden, obwohl das PSMA-PET/CT eine höhere Sensitivität aufweist. Die Toxizität von Docetaxel ist der wichtigste Einwand gegen die Triplett-Therapie. Die ARASAFE-Studie hat gezeigt, dass eine Triplett-Therapie mit 50 statt 75 mg/m2 Docetaxel und einem modifizierten Therapieschema besser verträglich ist. Akademische Plattformstudien wie STAMPEDE haben durch einen gleichbleibenden Standardtherapiearm, breite Einschlusskriterien und flexibel zuschaltbare experimentelle Therapiearme einen großen Beitrag zur Verbesserung der Therapie des Prostatakarzinoms geliefert.
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Update Harnblasenkarzinom
Das Harnblasenkarzinom gehört zu den häufigsten Tumorerkrankungen, wobei Männer dreimal häufiger betroffen sind als Frauen. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei >70 Jahren. Die häufigste Form ist das nicht muskelinvasive Blasenkarzinom (70 %). Beim muskelinvasiven lokalisierten Blasenkarzinom erfolgt die Behandlung in der Regel multimodal. Diese umfasst eine Zystektomie, ergänzt durch perioperative Systemtherapien oder eine trimodale Therapie. Für Patienten mit einem geringen oder mittleren Risiko beim nicht muskelinvasiven Blasenkarzinom ist eine Instillationstherapie mit einem Chemotherapeutikum wie beispielsweise Mitomycin C 20 mg die bevorzugte Therapieoption, während bei „high risk“ nicht muskelinvasiven Blasenkarzinomen die Anwendung von Bacillus Calmette-Guérin die primäre Instillationstherapie ist. Für resektable muskelinvasive Tumoren ist die neoadjuvante Chemotherapie präoperativ Standard of Care. Postoperativ ist die adjuvante Immuntherapie oder die Immunerhaltungstherapie mit Checkpoint-Inhibitoren eine vielversprechende neue Therapieoption. Im metastasierten Stadium kommen neue, hochwirksame palliative Immunchemotherapien zum Einsatz.
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Update Immuntherapie beim fortgeschrittenen Plattenepithelkarzinom des Ösophagus
Die Behandlung des fortgeschrittenen Plattenepithelkarzinoms des Ösophagus (ESCC) hat sich durch den Einsatz von Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICI) grundlegend verändert. In Kombination mit Chemotherapie oder als Monotherapie verbessern ICI signifikant das Überleben und sind heute integraler Bestandteil der Erst- und Zweitlinientherapie. Diese Fortbildung vermittelt praxisrelevante Einblicke in Studiendaten und Zulassungen, erläutert die Unterschiede zwischen den verfügbaren ICI und zeigt den Stellenwert von PD-L1 als Biomarker auf. Zudem werden Strategien zur Therapiewahl und zum Vorgehen bei Progression vorgestellt.
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Das Nierenzellkarzinom: Von der Früherkennung bis zur modernen Systemtherapie
Das Nierenzellkarzinom (englisch: „renal cell carcinoma“, RCC) gehört weltweit zu den häufigeren soliden Tumoren. Das klarzellige RCC ist der häufigste Subtyp. Durch den breiten Einsatz bildgebender Verfahren werden heute die meisten RCC asymptomatisch in frühen Stadien diagnostiziert. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen Rauchen, Adipositas, arterielle Hypertonie und bestimmte berufliche Expositionen. Die Diagnostik basiert primär auf Schnittbildgebung. Therapie und Nachsorge erfolgen interdisziplinär. Therapeutisch ist bei kleinen, lokalisierten Tumoren die organerhaltende partielle Nephrektomie Standard; bei ausgewählten Patienten kommen ablative Verfahren oder aktive Überwachung infrage. Ergänzend etabliert sich die stereotaktische Radiotherapie als nicht operative Option mit hoher lokaler Tumorkontrolle. Beim metastasiertem RCC stellen Kombinationen aus Immuncheckpoint-Inhibitoren und Tyrosinkinase-Inhibitoren den systemischen Erstlinienstandard dar und zeigen einen deutlichen Überlebensvorteil. In der Adjuvanz ist Pembrolizumab bei Hochrisikokonstellationen zugelassen. Mit Belzutifan steht erstmals ein Hypoxie-induzierter Faktor-(HIF-)2α-Inhibitor für spätere Therapielinien zur Verfügung.
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Individualisierte Therapie des Prostatakarzinoms: Von Mikrobiom bis Tripeltherapie
Auf dem diesjährigen Uro Expert Summit wurden auch neue Daten zum Prostatakarzinom von der letzten ASCO-GU-Tagung vorgestellt und diskutiert. Neben erstmaligen Daten zum Zusammenhang zwischen Darmgesundheit und Prostata-spezifischer Antigen-(PSA-)Progression wurden neue Daten aus den ENZA-P-, TALAPRO-2- und AMPLITUDE-Studien bei Patienten mit einem metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC) präsentiert. Die EMBARK-Studie belegt bei Patienten mit einem in der konventionellen Bildgebung nicht metastasierten Prostatakarzinom, mit einem biochemischen Rezidiv (BCR) und mit hohem Progressionsrisiko die Wirksamkeit von Enzalutamid und Leuprorelin. Ein Schwerpunkt war die aktuelle Darstellung des Stellenwertes von Dual- und Tripeltherapie mit Darolutamid bei Patienten mit einem metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinom (mHSPC) basierend auf den Ergebnissen der ARANOTE- und ARASENS-Studien. Eine alleinige Androgendeprivation ist bei diesen Patienten zunehmend obsolet und hat in der aktuellen S3-Leitlinie keine Empfehlung mehr. Der PSA-Nadir etabliert sich durch neue Analysedaten als wichtiger prognoserelevanter Faktor beim mHSPC. Ein gutes Sicherheitsprofil der Kombinationspartner ist für die Dual- und Tripeltherapie relevant.
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Highlights vom ASCO und ASCO-GU – Update Prostatakarzinom
Auf der letzten Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) und dem ASCO-Genitourinary (GU) Cancers Symposium wurden wieder interessante Ergebnisse von zahlreichen kleineren Studien zum Prostatakarzinom präsentiert. Bei Patienten mit einem metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC) mit Mutationen der homologen Rekombinationsreparatur (HRR) wurden weitere Daten vorgestellt, die den Vorteil einer First-Line-Kombination aus Androgenrezeptor-Signalweg-(ARPI-)Inhibitor und Poly-(ADP-ribose-)Polymerasen-(PARP-)Inhibitor stützen. Zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) wurde auch beim mCRPC als relevanter Prognosemarker bestätigt. Nebenwirkungen einer Androgendeprivationstherapie (ADT) können mit einer kognitiven Verhaltenstherapie günstig beeinflusst werden. Bei Patienten mit einem metastasierten hormonsensiblen Prostatakarzinom (mHSPC) ist zur Therapiesteuerung auch eine regelmäßige Bildgebung wichtig. Wichtigstes Behandlungsziel beim mHSPC ist die Verlängerung der Zeit bis zur Kastrationsresistenz. Eine früh einsetzende Dreifachtherapie mit ARPI, Docetaxel und ADT erzielte bislang sehr gute Ergebnisse, was weitere Auswertungen der ARASENS-Studie eindrucksvoll belegen.
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Diagnostik und Therapie kutaner T-Zell-Lymphome
Kutane T-Zell-Lymphome (engl. cutaneous T-cell lymphomas, CTCL) sind maligne Neoplasien, die zur Klasse der Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) gehören. CTCL sind eine histologisch und prognostisch heterogene Gruppe. Zu den häufigsten CTCL-Varianten gehören die Mycosis fungoides (MF) und das Sézary-Syndrom (SS). Die Diagnose von CTCL ist anspruchsvoll und wird häufig spät gestellt. Für die Diagnosestellung und Stadieneinteilung müssen die drei Kompartimente Haut, Blutkreislauf und Lymphknoten gleichermaßen berücksichtigt werden. Zudem kann es selten zum Befall innerer Organe kommen. Der Therapieansatz richtet sich nach Krankheitsentität und -stadium. Zu den wichtigsten Therapiezielen gehören Remissionsinduktion, Symptomlinderung und Verbesserung der Lebensqualität. Moderne multimodale Therapieansätze ermöglichen ein anhaltendes Therapieansprechen und eine Steigerung der Lebensqualität.





