Die Integration genetischer Diagnostik und moderner molekular zielgerichteter Therapien verändert die uroonkologische Versorgung grundlegend. „BReast CAncer gene 1/2“-(BRCA1/2-)Mutationen spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie Prognose und Therapieoptionen wesentlich beeinflussen. Während in der Gynäkoonkologie standardisierte Teststrategien etabliert sind, erfolgt die Testung in der Uroonkologie derzeit weniger einheitlich und ist stärker von den jeweiligen Versorgungsstrukturen abhängig. Poly(ADP-Ribose)-Polymerase-(PARP-)Inhibitoren haben sich beim Ovarialkarzinom, Mammakarzinom sowie beim metastasierten kastrationsrefraktären Prostatakarzinom (mCRPC) als wirksam erwiesen. Dort zeigen sich in der Gesamtpopulation klinische Vorteile gegenüber der Standardtherapie, wobei die Effekte bei BRCA-positiven Patienten besonders deutlich ausgeprägt sind. Die orale Therapieform und das insgesamt gut handhabbare Nebenwirkungsprofil erleichtern die klinische Anwendung. Entscheidend sind strukturierte Aufklärung, engmaschige Kontrollen und ein konsequentes Management relevanter Nebenwirkungen wie Anämie und Fatigue.
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Neues zur Therapie des metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinoms
Zur Therapie von Patienten mit einem metastasierten hormonsensiblen Prostatakarzinom (mHSPC) empfiehlt die S3-Leitlinie Prostatakarzinom in Abhängigkeit von patientenindividuellen Faktoren entweder eine Doubletten-Therapie mit Androgendeprivation (ADT) und Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitoren (ARPI) oder eine Triplett-Therapie mit der zusätzlichen Gabe von Docetaxel. Positive Studienergebnisse zur Triplett-Therapie liegen für Abirateron/Prednison und Darolutamid vor. Die Einschätzung des Tumorvolumens erfolgt leitlinienkonform mit konventionellen Methoden, obwohl das PSMA-PET/CT eine höhere Sensitivität aufweist. Die Toxizität von Docetaxel ist der wichtigste Einwand gegen die Triplett-Therapie. Die ARASAFE-Studie hat gezeigt, dass eine Triplett-Therapie mit 50 statt 75 mg/m2 Docetaxel und einem modifizierten Therapieschema besser verträglich ist. Akademische Plattformstudien wie STAMPEDE haben durch einen gleichbleibenden Standardtherapiearm, breite Einschlusskriterien und flexibel zuschaltbare experimentelle Therapiearme einen großen Beitrag zur Verbesserung der Therapie des Prostatakarzinoms geliefert.
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Update Harnblasenkarzinom
Das Harnblasenkarzinom gehört zu den häufigsten Tumorerkrankungen, wobei Männer dreimal häufiger betroffen sind als Frauen. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei >70 Jahren. Die häufigste Form ist das nicht muskelinvasive Blasenkarzinom (70 %). Beim muskelinvasiven lokalisierten Blasenkarzinom erfolgt die Behandlung in der Regel multimodal. Diese umfasst eine Zystektomie, ergänzt durch perioperative Systemtherapien oder eine trimodale Therapie. Für Patienten mit einem geringen oder mittleren Risiko beim nicht muskelinvasiven Blasenkarzinom ist eine Instillationstherapie mit einem Chemotherapeutikum wie beispielsweise Mitomycin C 20 mg die bevorzugte Therapieoption, während bei „high risk“ nicht muskelinvasiven Blasenkarzinomen die Anwendung von Bacillus Calmette-Guérin die primäre Instillationstherapie ist. Für resektable muskelinvasive Tumoren ist die neoadjuvante Chemotherapie präoperativ Standard of Care. Postoperativ ist die adjuvante Immuntherapie oder die Immunerhaltungstherapie mit Checkpoint-Inhibitoren eine vielversprechende neue Therapieoption. Im metastasierten Stadium kommen neue, hochwirksame palliative Immunchemotherapien zum Einsatz.
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Update Immuntherapie beim fortgeschrittenen Plattenepithelkarzinom des Ösophagus
Die Behandlung des fortgeschrittenen Plattenepithelkarzinoms des Ösophagus (ESCC) hat sich durch den Einsatz von Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICI) grundlegend verändert. In Kombination mit Chemotherapie oder als Monotherapie verbessern ICI signifikant das Überleben und sind heute integraler Bestandteil der Erst- und Zweitlinientherapie. Diese Fortbildung vermittelt praxisrelevante Einblicke in Studiendaten und Zulassungen, erläutert die Unterschiede zwischen den verfügbaren ICI und zeigt den Stellenwert von PD-L1 als Biomarker auf. Zudem werden Strategien zur Therapiewahl und zum Vorgehen bei Progression vorgestellt.
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Das Nierenzellkarzinom: Von der Früherkennung bis zur modernen Systemtherapie
Das Nierenzellkarzinom (englisch: „renal cell carcinoma“, RCC) gehört weltweit zu den häufigeren soliden Tumoren. Das klarzellige RCC ist der häufigste Subtyp. Durch den breiten Einsatz bildgebender Verfahren werden heute die meisten RCC asymptomatisch in frühen Stadien diagnostiziert. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen Rauchen, Adipositas, arterielle Hypertonie und bestimmte berufliche Expositionen. Die Diagnostik basiert primär auf Schnittbildgebung. Therapie und Nachsorge erfolgen interdisziplinär. Therapeutisch ist bei kleinen, lokalisierten Tumoren die organerhaltende partielle Nephrektomie Standard; bei ausgewählten Patienten kommen ablative Verfahren oder aktive Überwachung infrage. Ergänzend etabliert sich die stereotaktische Radiotherapie als nicht operative Option mit hoher lokaler Tumorkontrolle. Beim metastasiertem RCC stellen Kombinationen aus Immuncheckpoint-Inhibitoren und Tyrosinkinase-Inhibitoren den systemischen Erstlinienstandard dar und zeigen einen deutlichen Überlebensvorteil. In der Adjuvanz ist Pembrolizumab bei Hochrisikokonstellationen zugelassen. Mit Belzutifan steht erstmals ein Hypoxie-induzierter Faktor-(HIF-)2α-Inhibitor für spätere Therapielinien zur Verfügung.
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Individualisierte Therapie des Prostatakarzinoms: Von Mikrobiom bis Tripeltherapie
Auf dem diesjährigen Uro Expert Summit wurden auch neue Daten zum Prostatakarzinom von der letzten ASCO-GU-Tagung vorgestellt und diskutiert. Neben erstmaligen Daten zum Zusammenhang zwischen Darmgesundheit und Prostata-spezifischer Antigen-(PSA-)Progression wurden neue Daten aus den ENZA-P-, TALAPRO-2- und AMPLITUDE-Studien bei Patienten mit einem metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC) präsentiert. Die EMBARK-Studie belegt bei Patienten mit einem in der konventionellen Bildgebung nicht metastasierten Prostatakarzinom, mit einem biochemischen Rezidiv (BCR) und mit hohem Progressionsrisiko die Wirksamkeit von Enzalutamid und Leuprorelin. Ein Schwerpunkt war die aktuelle Darstellung des Stellenwertes von Dual- und Tripeltherapie mit Darolutamid bei Patienten mit einem metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinom (mHSPC) basierend auf den Ergebnissen der ARANOTE- und ARASENS-Studien. Eine alleinige Androgendeprivation ist bei diesen Patienten zunehmend obsolet und hat in der aktuellen S3-Leitlinie keine Empfehlung mehr. Der PSA-Nadir etabliert sich durch neue Analysedaten als wichtiger prognoserelevanter Faktor beim mHSPC. Ein gutes Sicherheitsprofil der Kombinationspartner ist für die Dual- und Tripeltherapie relevant.
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Highlights vom ASCO und ASCO-GU – Update Prostatakarzinom
Auf der letzten Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) und dem ASCO-Genitourinary (GU) Cancers Symposium wurden wieder interessante Ergebnisse von zahlreichen kleineren Studien zum Prostatakarzinom präsentiert. Bei Patienten mit einem metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC) mit Mutationen der homologen Rekombinationsreparatur (HRR) wurden weitere Daten vorgestellt, die den Vorteil einer First-Line-Kombination aus Androgenrezeptor-Signalweg-(ARPI-)Inhibitor und Poly-(ADP-ribose-)Polymerasen-(PARP-)Inhibitor stützen. Zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) wurde auch beim mCRPC als relevanter Prognosemarker bestätigt. Nebenwirkungen einer Androgendeprivationstherapie (ADT) können mit einer kognitiven Verhaltenstherapie günstig beeinflusst werden. Bei Patienten mit einem metastasierten hormonsensiblen Prostatakarzinom (mHSPC) ist zur Therapiesteuerung auch eine regelmäßige Bildgebung wichtig. Wichtigstes Behandlungsziel beim mHSPC ist die Verlängerung der Zeit bis zur Kastrationsresistenz. Eine früh einsetzende Dreifachtherapie mit ARPI, Docetaxel und ADT erzielte bislang sehr gute Ergebnisse, was weitere Auswertungen der ARASENS-Studie eindrucksvoll belegen.
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Diagnostik und Therapie kutaner T-Zell-Lymphome
Kutane T-Zell-Lymphome (engl. cutaneous T-cell lymphomas, CTCL) sind maligne Neoplasien, die zur Klasse der Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) gehören. CTCL sind eine histologisch und prognostisch heterogene Gruppe. Zu den häufigsten CTCL-Varianten gehören die Mycosis fungoides (MF) und das Sézary-Syndrom (SS). Die Diagnose von CTCL ist anspruchsvoll und wird häufig spät gestellt. Für die Diagnosestellung und Stadieneinteilung müssen die drei Kompartimente Haut, Blutkreislauf und Lymphknoten gleichermaßen berücksichtigt werden. Zudem kann es selten zum Befall innerer Organe kommen. Der Therapieansatz richtet sich nach Krankheitsentität und -stadium. Zu den wichtigsten Therapiezielen gehören Remissionsinduktion, Symptomlinderung und Verbesserung der Lebensqualität. Moderne multimodale Therapieansätze ermöglichen ein anhaltendes Therapieansprechen und eine Steigerung der Lebensqualität.
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Fortschritte in der individuellen Therapie des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms bei vulnerablen Patienten: Herausforderungen und Perspektiven
Lungenkarzinome stellen die zweithäufigste (Männer) bzw. dritthäufigste (Frauen) aller malignen Tumorerkrankungen in Deutschland dar: Davon handelt es sich bei etwa 85 % um nicht-kleinzellige Lungenkarzinome (NSCLC). NSCLC-Patienten sind häufig älter; das mediane Erkrankungsalter liegt bei etwa 69 Jahren. Die Therapieoptionen beim NSCLC sind in den letzten Jahren stetig gewachsen, die Therapieentscheidung wird damit zunehmend komplex. Wegweisend für den Einsatz zielgerichteter oder immunonkologisch fundierter Therapien ist die Testung auf Biomarker. Die Herausforderung: Die Patienten in der Praxis unterscheiden sich in der Regel von der in Zulassungsstudien untersuchten Population bezüglich Alter, Komorbiditäten und Allgemeinzustand. Einige Studiendaten zeigen jedoch, dass diese Faktoren maßgeblich die Verträglichkeit von Therapien beeinflussen können. Insbesondere ist die Anwendung von platinbasierten Chemotherapeutika im klinischen Alltag bei vulnerablen Patienten oftmals herausfordernd. Mit Ausnahme des Stadiums IA sind (kombinierte) Systemtherapien jedoch häufig erforderlich. Die Einschätzung von „Frailty“ (in etwa: Gebrechlichkeit) spielt eine kritische Rolle in der Therapieplanung, zumal Frailty sowohl tumorbedingt als auch unabhängig vom Tumor auftreten kann. Ein personalisierter Therapieansatz, unterstützt durch ein umfassendes geriatrisches Assessment, kann Nebenwirkungen von (platinbasierten) Chemotherapien verringern. Vor allem für ältere und alte Patienten, bei denen eine platinbasierte Kombinationstherapie nicht infrage kommt, bieten moderne Immuntherapien vielversprechende Optionen.
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Aktuelle Entwicklungen bei Mycosis fungoides und Sézary-Syndrom
Die Mycosis fungoides und das Sézary-Syndrom sind die häufigsten Formen kutaner T-Zell-Lymphome, die zu den Non-Hodgkin-Lymphomen gehören. Die Diagnose kann besonders in den Frühstadien eine Herausforderung darstellen. Die Prognose der Mycosis fungoides hängt vom Stadium ab und ist in den frühen Stadien günstig, aber es fehlen zuverlässige prognostische Parameter. Das Sézary-Syndrom ist durch Erythrodermie und leukämische Zellen im Blut gekennzeichnet und weist eine hohe Sterblichkeitsrate auf. Die zugrunde liegende zellbiologische Pathogenese und Immunologie sind vielfältig und deuten auf spezifische veränderte Signalwege hin, die potenzielle Ansatzpunkte für zukünftige Therapien bieten könnten. Derzeitige Therapieansätze sind hauptsächlich palliativ und umfassen topische und systemische Optionen, entweder einzeln oder in Kombination. Bei ausgewählten Patienten kann eine allogene Stammzelltransplantation eine dauerhafte Remission erzielen. In der Entwicklung neuer Therapien für kutane T-Zell-Lymphome findet ein Übergang von einer ungezielten Empirie hin zu gezielter Pharmakotherapie auf Basis experimenteller Erkenntnisse statt, ähnlich wie in anderen Bereichen der Onkologie.
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Leitliniengerechte Diagnostik und Therapie des hepatozellulären Karzinoms und biliärer Karzinome
In den letzten Jahrzehnten sind die Inzidenz und Prävalenz von primären malignen Lebertumoren deutlich angestiegen. Das hepatozelluläre Karzinom (HCC) ist weltweit der am häufigsten vorkommende maligne Lebertumor. Biliäre Karzinome (engl. „biliary tract cancer”, BTC), bösartige Gallengangstumoren, bilden eine heterogene Gruppe von epithelialen Neoplasien. Im September 2024 wurde eine neue Version der S3-Leitlinie für das hepato-zelluläre Karzinom und die biliären Karzinome unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Viszeralmedizin (DGVS) veröffentlicht. Für das HCC stehen derzeit zahlreiche Therapieoptionen zur Verfügung, darunter Resektion, lokal ablative Verfahren und systemische Therapieansätze, die abhängig vom Stadium der Erkrankung eingesetzt werden. Die Behandlungsergebnisse für fortgeschrittene Erkrankungsstadien sowohl des HCC als auch des BTC sind bisher nicht zufriedenstellend. Allerdings hat sich v. a. das BTC in den letzten Jahren zu einem Beispiel für den erfolgreichen Einsatz der Präzisionsonkologie entwickelt. Es wurden zahlreiche systemische Therapieansätze eingeführt, die auf individuellen molekularen Profilen basieren. Neue Entwicklungen im Bereich der systemischen Therapien haben das Potenzial, die Prognose von Patienten in fortgeschrittenen Erkrankungsstadien auch heute schon wesentlich zu verbessern.





