Die chronische Nierenerkrankung (CKD) führt zu tiefgreifenden Störungen des Mineral- und Knochenstoffwechsels. Typisch sind erhöhte Spiegel von Parathormon (PTH) und „fibroblast growth factor 23“ (FGF23) sowie eine verminderte Vitamin-D-Aktivierung. Diese Veränderungen werden im Konzept der „chronic kidney disease–mineral and bone disorder“ (CKD-MBD) zusammengefasst, das Knochenveränderungen, vaskuläre Kalzifikationen und laborchemische Auffälligkeiten als systemisch verknüpfte Manifestationen versteht.Die früher als renale Osteodystrophie beschriebenen Befunde werden heute zunehmend im Sinne einer sekundären Osteoporose betrachtet. Damit verschiebt sich der Fokus von der isolierten Wahrnehmung der Knochenhistomorphometrie hin zur klinisch relevanten Frakturgefährdung durch die Beurteilung der Knochendichte. Patienten mit CKD haben ein deutlich erhöhtes, mit sinkender glomerulären Filtrationsrate (GFR) zunehmendes Frakturrisiko. Bis zu einer GFR von etwa 30 ml/min/1,73 m2 erfolgen Diagnostik und Therapie weitgehend analog zur Allgemeinbevölkerung, darunter ist eine nephrologische Mitbeurteilung sinnvoll. Antiresorptive und osteoanabole Therapien sind auch bei CKD wirksam, erfordern jedoch ein differenziertes Calcium-Phosphat-Management und, analog zur Normalbevölkerung, die Beachtung des Reboundphänomens nach Denosumab.
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Immuntherapien bei Typ-1-Diabetes
Typ-1-Diabetes (T1D) ist eine chronische Autoimmunerkrankung mit fortschreitender Zerstörung der pankreatischen Betazellen auf der Basis von genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen. Die Erkrankung verläuft in vier Stadien, wobei der Betazellverlust bereits in der präsymptomatischen Phase einsetzt und überwiegend vor Manifestation einer Hyperglykämie eintritt. Eine residuale Betazellfunktion bleibt bei vielen Patienten auch im Langzeitverlauf nachweisbar und ist mit einer besseren glykämischen Kontrolle, einer geringeren glykämischen Variabilität sowie einem reduzierten Hypoglykämierisiko assoziiert. Ihr Erhalt stellt damit ein zentrales therapeutisches Ziel dar.Mit der Zulassung von Teplizumab, einem monoklonalen Anti-CD3-Antikörper, steht erstmals eine Immunintervention zur Verfügung, die im Stadium 2 die Progression zum manifesten T1D um etwa zwei bis drei Jahre verzögern kann. Voraussetzung für den Einsatz ist die Identifizierung von Personen im Frühstadium des T1D im Rahmen einer Früherkennung. Über 100 Jahre nach Einführung des Insulins eröffnet sich damit der Übergang von einer rein symptomatischen zu einer kausalen Therapie des Typ-1-Diabetes.
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Management der spastischen Bewegungsstörung der unteren Extremität
Die spastische Bewegungsstörung zählt zu den häufigsten Komplikationen nach Schädigung des zentralen Nervensystems (ZNS). Sie tritt besonders häufig nach einem Schlaganfall auf. Die SMD kann Ausdruck eines „upper motor neuron syndrome“ (UMNS) und umfasst insbesondere die sogenannten Plusphänomene: gesteigerte Muskeleigenreflexe, Kloni, spastische Dystonien und eine geschwindigkeitsabhängige Zunahme des Muskeltonus. Bei einem Teil der Betroffenen zeigen sich progrediente Symptome, die in eine behandlungsbedürftige Spastizität münden. Diese ist oftmals mit einer erheblichen Beeinträchtigung der Gelenkmotilität, der allgemeinen Mobilität, der Selbstversorgung sowie der sozialen Teilhabe verbunden und geht nicht selten mit belastenden Schmerzen einher. Bei chronischem Verlauf können sekundäre strukturelle Veränderungen des muskuloskelettalen Apparates auftreten, die bis zu fixierten Kontrakturen mit bindegewebigem Umbau reichen. Die Therapieindikation erfordert eine differenzierte Beurteilung und orientiert sich an der funktionellen Relevanz des spastischen Syndroms. Ein strukturiertes, interdisziplinäres und multiprofessionelles Vorgehen ist dabei essenziell für eine effektive Versorgung. Oberstes Ziel der Therapie ist die Verbesserung aktiver und passiver Funktionen. Dazu zählen insbesondere der Erhalt der Gehfähigkeit, falls begleitende Schmerzen vorhanden sind die Schmerzlinderung sowie eine Kontrakturprophylaxe. Die Injektionstherapie mit Botulinumtoxin Typ A (BoNT-A) ist ein zentraler Bestandteil multimodaler Therapiekonzepte bei fokaler, multifokaler oder segmentaler SMD der unteren Extremität. Die Wirksamkeit ist durch zahlreiche prospektive Studien belegt.
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Pneumologie trifft Hausarztpraxis – Asthma & COPD gemeinsam und gezielt behandeln
Chronische Atemwegserkrankungen wie Asthma und COPD gehören zu den häufigsten Diagnosen in der Hausarztpraxis. Trotz ähnlicher Symptomatik unterscheiden sich beide Erkrankungen grundlegend, mit direkten Konsequenzen für die Therapie. Dieser Beitrag zeigt, wie Hausärzte Asthma und COPD sicher differenzieren, die Krankheitskontrolle strukturiert erfassen und Therapieentscheidungen leitliniengerecht ausrichten – einschließlich des richtigen Umganges mit Exazerbationen als prognostisch relevanten Schlüsselereignissen. Darüber hinaus wird die Rolle von Bluteosinophilen als Biomarker beleuchtet und es wird anhand eines praxisorientierten 5-Schritte-Checks gezeigt, wie sich die Krankheitsbeurteilung im Alltag systematisieren lässt. Klare Kriterien helfen zudem einzuschätzen, wann Red Flags eine pneumologische Mitbeurteilung erfordern.
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Update Fettleber: Einfluss von Komorbiditäten und neue Therapiemöglichkeiten
Die metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) ist die häufigste Lebererkrankung in der westlichen Welt. Das Erkrankungsspektrum reicht von einer einfachen Leberverfettung, der sogenannten Steatose, über entzündliche Veränderungen bis hin zur Leberfibrose. Die MASLD ist Bestandteil eines pathogenetischen Netzwerkes verschiedener Stoffwechsel- und kardiovaskulärer Erkrankungen. Insbesondere die Insulinresistenz und der Typ-2-Diabetes spielen eine wichtige pathophysiologische Rolle und sind auch mit der Progression assoziiert. Trotz der hohen Prävalenz bleibt MASLD häufig unentdeckt, weshalb die Nutzung effizienter Screening-Verfahren in der Praxis essenziell ist. Die Basistherapie besteht aus strukturiertem Gewichtsverlust und der Behandlung metabolischer sowie kardiovaskulärer Komorbiditäten. Spezifische zugelassene Therapien fehlen derzeit noch, jedoch zeigen erste Ergebnisse aus klinischen Studien, dass Antidiabetika und Adipositas-Medikamente, insbesondere Inkretinmimetika, positive Effekte auf die Leberhistologie haben können. Die pharmakologischen Innovationen entwickeln sich in den letzten Jahren dynamisch. Inkretinmimetika und neue Wirkstoffe wie THR-β-Agonisten, PPAR-Agonisten und FGF21-Analoga zeigen vielversprechende Ergebnisse in klinischen Phase-II- und Phase-III-Studien.
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Harnwegsinfektionen und Antibiotikaresistenzen – eine diagnostische sowie therapeutische Herausforderung
Resistenzen gegen Antibiotika nehmen weltweit seit Jahren zu und stellen auch bei Harnwegsinfektionen (HWI) eine wachsende Herausforderung dar. Eine schnelle Point-of-Care-Diagnostik kann helfen, die Zeit bis zum Einsatz der geeigneten Antibiotika deutlich zu verkürzen. Nischenantibiotika können aufgrund ihres vergleichsweise geringen Selektionsdruckes einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung der Resistenzentwicklung leisten. Bei der Diagnostik und Therapie von HWI sollten individuelle Risikofaktoren berücksichtigt werden, da diese die Rezidivneigung deutlich erhöhen können. Insbesondere bei geriatrischen Patienten ist die asymptomatische Bakteriurie häufig und bedarf in der Regel keiner antibiotischen Behandlung. Für die Therapie von unkomplizierten lokalisierten HWI empfehlen die aktuellen Leitlinien übereinstimmend Nischenantibiotika wie Fosfomycin, Nitrofurantoin, Nitroxolin und Pivmecillinam, auch für geriatrische Patienten.Trotz neuer Antibiotika bleibt die Behandlung von Infektionen durch Erreger mit hochresistenten Metallo-β-Laktamasen und Carbapenemasen auch zukünftig eine Herausforderung. Angesichts der zunehmenden Resistenzproblematik bleibt die konsequente Umsetzung der Prinzipien des Antibiotic Stewardship ein zentraler Bestandteil einer rationalen und nachhaltigen Antiinfektivatherapie.
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Update Aortenklappenstenose
Die Aortenklappenstenose ist die häufigste behandlungsbedürftige Herzklappenerkrankung Europas und betrifft vor allem ältere Menschen. Ursache ist meist ein degenerativ kalzifizierender Prozess der Aortenklappe, der zu einer fortschreitenden Verengung führt. Typische Beschwerden sind Belastungsdyspnoe, Leistungsminderung, Angina pectoris sowie Schwindel oder Synkopen. Die Auskultation mit Nachweis eines systolischen Herzgeräusches bleibt ein wichtiger Bestandteil der Früherkennung. Goldstandard der Diagnostik ist die transthorakale Echokardiografie zur Beurteilung des Schweregrades.Die Prognose einer symptomatischen hochgradigen Aortenklappenstenose ist ohne Klappenersatz ungünstig. Aktuelle Studien zeigen zudem Vorteile einer frühen Intervention bei ausgewählten asymptomatischen Patienten. Die Therapieentscheidung erfolgt interdisziplinär im Heart-Team. Die kausale Behandlung besteht im chirurgischen Aortenklappenersatz oder in der kathetergestützten Aortenklappenimplantation (TAVI). Eine frühzeitige Diagnose und Überweisung an Herzklappenzentren sind entscheidend für die Prognose.
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Typ-2-Diabetes – die kardiologische Perspektive
Typ-2-Diabetes ist eine progrediente Systemerkrankung, die zunehmend in jüngeren Altersgruppen auftritt. Das Phänomen des „early onset type 2 diabetes“ (EOT2D) bei unter 40-Jährigen ist durch einen aggressiven Phänotyp, rasanten Betazellverlust und eine statistisch stark verkürzte Lebenserwartung gekennzeichnet. Kardiologisch beginnt der Schaden durch Insulinresistenz und proinflammatorisches ektopisches Gewebefett oft völlig subklinisch, lange bevor der Blutzucker messbar entgleist. Besonders Frauen weisen nach der Diabetesdiagnose ein disproportional höheres relatives Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse auf, da ihr natürlicher Gefäßschutz aufgehoben wird. In der ganzheitlichen Betrachtung mündet der Diabetes in das „cardiovascular kidney metabolic“-(CKM-)Syndrom, das Herz, Niere und Stoffwechsel pathophysiologisch verknüpft. Um stille Organschäden frühzeitig zu demaskieren, ist im Praxisalltag ein jährliches Screening durch glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) und Urin-Albumin-Kreatinin-Ratio (UACR) obligat. Therapeutisch priorisieren die Leitlinien moderne Substanzen wie SGLT2-Inhibitoren und GLP-1-Rezeptoragonisten für einen kausalen Organschutz, der oft unabhängig vom reinen HbA1c-Ziel im Vordergrund steht.
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Anwendungsorientiertes Hintergrundwissen zum Immunsystem und zu dessen zentraler Bedeutung in der Sepsis
Das Immunsystem wird pragmatisch und evolutionsbiologisch in einen angeborenen (innaten) und einen adaptiven Arm gegliedert. Beide Anteile agieren und interagieren bei Entzündungsreaktionen. Neben den aktivierenden Komponenten der Immunantwort laufen in den zellulären und humoralen Kaskaden beider Anteile auch hemmende Prozesse ab, um eine angemessene Regulation zu gewährleisten. Die Sepsis zählt zu den führenden Todesursachen in Deutschland. Sie stellt ein komplexes, weitgehend unverstandenes Syndrom dar. Die gültige Definition sowie in zunehmender Weise auch deren Vorversionen stellen neben der auslösenden Infektion das Immunsystem und dessen „Fehlregulation“ in den Fokus der Pathogenese. Der klinische Verlauf wird stark durch individuelle Prädisposition und auch äußere Faktoren beeinflusst. Die angenommene „Fehlregulation“ ist insofern sehr unpräzise, als dass endogene und exogene Einflussfaktoren nur teilweise bekannt sind. Ein Ungleichgewicht zwischen Immunaktivierung und Inhibition scheint aber den Verlauf der Sepsis erheblich zu beeinflussen. Eine erfolgreiche Strategie zur gezielten Beeinflussung dieser als „Fehlregulation“ subsummierten Faktoren fehlt uns bislang, und eine erfolgreiche Sepsistherapie beschränkt sich damit weitestgehend auf die konsequente Umsetzung der bewiesenen, supportiven Therapiestrategien einschließlich hämodynamischer Kontrolle, Fokuskontrolle, rationaler antibiotischer Therapie und gegebenenfalls Organunterstützung. Eine individualisierte Immunmodulation im Sinne gezielter (pharmakologischer) Interventionen ist wünschenswert. Dies könnte in naher Zukunft durch einen präzisionsmedizinischen Ansatz gelingen.
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KDIGO-Leitlinien für die IgA-Nephropathie
Die Immunglobulin-A-Nephropathie (IgAN) ist eine seltene Form der Glomerulonephritis, die häufig junge Patienten betrifft. Eine Proteinurie von ≥0,5 g/Tag ist mit einem hohen Progressionsrisiko der Erkrankung assoziiert, die häufig nach Jahren in ein Nierenversagen mündet. Das klinische Erscheinungsbild mit Hämaturie, Proteinurie und arterieller Hypertonie ist häufig asymptomatisch und deshalb oft Ursache einer verzögerten Diagnosestellung. Die Diagnose kann nur durch eine Nierenbiopsie mit Nachweis von IgA-Ablagerungen gesichert werden. Die aktualisierte Leitlinie der Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO-Leitlinie 2025) definiert als neue Behandlungsziele die Verlangsamung des Nierenfunktionsverlustes auf <1 ml/min/1,73 m2/Jahr sowie die Reduktion der Proteinurie auf <0,5 g/Tag, idealerweise auf <0,3 g/Tag. Die Leitlinien empfehlen den gleichzeitigen Einsatz einer immunmodulatorischen Therapie wie Nefecon und einer optimierten CKD-Therapie (Chronische Nierenerkrankung) mit Renin-Angiotensin-System-Inhibition (RASi) oder der dualen Endothelin-Angiotensin-Rezeptor-Antagonisierung (DEARA), ergänzt durch einen Sodium-Glukose-Cotransporter-2-(SGLT2-)Inhibitor gemäß den entsprechenden Verordnungskriterien. Neue Therapieoptionen für die immunologische Therapie mit unterschiedlichen Wirkmechanismen sind mit jeweils mehreren Wirkstoffen in der klinischen Entwicklung. Für die Basistherapie liegen neue Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit zum DEARA Sparsentan vor.
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Hämatoonkologie trifft Immunologie: Updates zum Management sekundärer Immundefekte und Infektionen
Sekundäre Immundefekte und daraus resultierende Infektionskomplikationen stellen eine zentrale und klinisch relevante Herausforderung in der Hämatologie und Onkologie dar. Ursächlich sind sowohl krankheitsassoziierte Mechanismen, wie bei chronisch lymphatischer Leukämie (CLL) und multiplem Myelom (MM), als auch therapieinduzierte Immundefizite u. a. unter B-Zell-depletierenden Therapien, wie z. B. monoklonalen Antikörpern, „chimeric antigen receptor“-(CAR-)T-Zell-Therapien und bispezifischen Antikörpern (BsAb). Infektionen sind die führende Ursache der therapieassoziierten Non-Relapse-Mortalität nach CAR-T- und BsAb-Therapie.Schätzungsweise 80 % der betroffenen Patienten erhalten keine leitliniengerechte Immunglobulin-Ersatztherapie. Die konsequente Substitution reduziert schwere Infektionen signifikant und ist gesundheitsökonomisch vorteilhaft. Die subkutane Applikation bietet gegenüber der intravenösen Gabe einige Vorteile: stabilere Serumspiegel, eine geringere Nebenwirkungsrate und die Möglichkeit einer Durchführung als Heimtherapie. Indikationsstellung, Dosierung und Verlaufskontrolle sollten leitliniengerecht und individuell erfolgen, eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Hämatologie, klinischer Immunologie und Infektiologie ist dabei essenziell.





