Praxiswissen Nephrologie: Optimierung von Diagnose und Therapie der CKD
Am Ende der Fortbildung kennen Sie …
- kennen Sie die epidemiologische Bedeutung der CKD und ihre Rolle als unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse,
- kennen Sie die diagnostischen Kriterien und deren korrekte Anwendung in der klinischen Praxis,
- können Sie das Risiko Ihrer Patienten mit einfachen Tools konkret bestimmen,
- kennen Sie die aktuellen Leitlinien von DEGAM und KDIGO,
- wissen Sie, welche Behandlungsstrategien es zur Progressionshemmung der CKD gibt,
- kennen Sie die aktuellen organprotektiven Therapien mit GLP-1-RA, ns-MRA und SGLT-2i.
Diagnose und Screening
Trotz der Bedeutung der CKD zeigen aktuelle Daten erhebliche Lücken in der Diagnostik. In der Gesamtbevölkerung wird bei nur 45,5 % der Menschen die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) bestimmt, bei Diabetikern liegt dieser Anteil bei 53,1 %. Noch alarmierender ist die Situation bei der Messung der Albuminurie: Nur bei 0,4 % der Gesamtbevölkerung und 1,0 % der Diabetiker wird das Urin-Albumin-Kreatinin-Verhältnis (UACR) bestimmt. Die KDIGO-Leitlinie 2024 empfiehlt die Verwendung beider Parameter – eGFR und Albuminurie – zur umfassenden Beurteilung der Nierenfunktion und des Krankheitsrisikos. Die Kombination dieser Werte ermöglicht eine genauere Einschätzung des Krankheitsverlaufes und des kardiovaskulären Risikos. Die eGFR wird in der Praxis mittels CKD-EPI-Formel basierend auf dem Serumkreatinin berechnet. Der Grad der Albuminurie wird über die Quantifizierung der Albumin-Kreatinin-Ratio (UACR) im Spontanurin ermittelt.
Risikofaktoren und Prognose
Die CKD ist ein bedeutender Risikofaktor für verschiedene gesundheitliche Outcomes. Eine umfangreiche Metaanalyse von Grams et al. zeigt, dass eine verminderte eGFR und eine erhöhte Albuminurie mit einem erhöhten Risiko für Gesamtmortalität, kardiovaskuläre Mortalität, Hospitalisierung, Myokardinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern und für periphere arterielle Erkrankungen assoziiert sind. Zur Abschätzung des individuellen Risikos empfiehlt die KDIGO-Leitlinie 2024 die Verwendung validierter Risikogleichungen, insbesondere für Patienten mit CKD im Stadium G3 bis G5. Diese Risikokalkulatoren können helfen, das 5-Jahres-Risiko für ein Nierenversagen abzuschätzen und die Therapie entsprechend anzupassen. Einen einfach zu bedienenden Risikorechner bietet beispielsweise die DEGAM.
Hypothetische CKD-Prävalenz in Deutschland
In Deutschland wird die Prävalenz der CKD auf etwa 13 Millionen Menschen oder 16 % der Bevölkerung geschätzt, was etwa 256 Patienten pro Hausarztpraxis entspricht. Davon befinden sich etwa 3,5 Millionen oder 4 % in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung, was etwa 64 Patienten pro Hausarztpraxis ausmacht. Diese Zahlen verdeutlichen die hohe Relevanz der CKD in der täglichen medizinischen Praxis.
Umfassende Behandlungsstrategie nach KIDGO 2024
Die KDIGO-Leitlinie 2024 präsentiert eine umfassende Behandlungsstrategie für CKD-Patienten, die auf mehreren Säulen basiert: 1. Lebensstilinterventionen
- Förderung körperlicher Aktivität
- Gesunde Ernährung
- Raucherentwöhnung
- Gewichtsmanagement
- SGLT-2-Inhibitoren: Empfohlen für die meisten Patienten, fortzusetzen bis zur Dialyse oder Transplantation
- Renin-Angiotensin-Aldosteron-System-Inhibitoren (RAASi): In höchster verträglicher Dosis bei Hypertonie
- Statine: Moderate oder hochdosierte Statintherapie
- Zielblutdruck: systolisch <120 mmHg
- Bei Bedarf Ergänzung durch Dihydropyridin-Calciumkanalblocker und/oder Diuretika
- Management gemäß KDIGO-Leitlinie zum Diabetesmanagement
- GLP-1-Rezeptoragonisten bei entsprechender Indikation
- Nicht steroidale Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten (ns-MRA) bei Diabetes und vorhandener Indikation
- Thrombozytenaggregationshemmung bei klinischer atherosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankung (ASCVD)
- Steroidale MRA bei therapieresistenter Hypertonie und eGFR ≥45 ml/min/1,73 m²
- Ezetimib, PCSK9-Inhibitoren basierend auf ASCVD-Risiko und Lipidwerten
- Behandlung von Anämie, CKD-Mineral- und Knochenstoffwechselstörungen (MBD), Azidose und Kaliumstörungen/li>
Neue Therapieansätze
In den letzten Jahren haben sich neue Therapieoptionen für CKD-Patienten etabliert, die das Potenzial haben, den Krankheitsverlauf signifikant zu beeinflussen:
- SGLT-2-Inhibitoren: Diese Medikamentenklasse hat sich als besonders effektiv in der Verlangsamung der CKD-Progression erwiesen. Sie reduzieren den jährlichen eGFR-Verlust von etwa 6 ml/min auf 1 ml/min.
- Nicht steroidale Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten (ns-MRA): Finerenon, ein Vertreter dieser Klasse, zeigt vielversprechende Ergebnisse in der Reduktion des CKD-Progresses und kardiovaskulärer Ereignisse.
- GLP-1-Rezeptoragonisten: Insbesondere Semaglutid hat neben seinen glukosesenkenden Eigenschaften auch nephroprotektive Effekte gezeigt.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Die DEGAM-Leitlinie 2024 betont den Stellenwert der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Hausärzten und Nephrologen. Diese Kooperation ist entscheidend für
- die frühzeitige Erkennung und Diagnose der CKD,
- die optimale Umsetzung der komplexen Therapiestrategien,
- die regelmäßige Risikoneubewertung und Therapieanpassung,
- das Management von Komplikationen und Komorbiditäten.
Fazit
Die Diagnose und Therapie der chronischen Nierenerkrankung (CKD) erfordert einen multidimensionalen Ansatz. Die frühzeitige Diagnose durch regelmäßige Bestimmung von eGFR und Albuminurie ist entscheidend. Die Behandlung sollte gemäß den aktuellen Leitlinien eine Kombination aus Lebensstilinterventionen, medikamentöser Therapie und Management von Komplikationen umfassen. Besonders hervorzuheben sind die neuen Therapieoptionen wie SGLT-2-Inhibitoren, ns-MRA und GLP-1-Rezeptoragonisten, die das Potenzial haben, die Krankheitsprogression signifikant zu verbessern. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Hausärzten und Nephrologen ist essenziell, um die bestmögliche Versorgung für CKD-Patienten zu gewährleisten und das Risiko für Nierenversagen und für kardiovaskuläre Komplikationen zu minimieren.
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Prof. Dr. med. Jörg Latus Robert Bosch Krankenhaus Auerbachstraße 110 70376 Stuttgart Dr. med. Petra Sandow Fachärztin für Allgemeinmedizin Reichsstraße 81 14052 BerlinInteressenkonflikte
Prof. Jörg Latus: Boehringer Ingelheim, Amgen, Fresenius, Novartis, Alexion, Vifor, Stada, Astellas, AstraZeneca, GSK, Bayer, Lilly, Norgine, Baxter, Novo Nordisk Dr. Petra Sandow: Vorträge, die Teilnahme Advisory Boards, allgemeine Beratung, ungebundene Forschungsunterstützung oder sonstige medizinisch-wissenschaftliche Leistungen von Boehringer Ingelheim, Lilly, Volopharm, Roche, Repha, Bayer Healthcare, Medical Tribune, Berlin Chemie, Novartis, AstraZeneca, BMS, Gilead, GSKSponsoring
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