GINA-Report 2026: Neue Impulse für die Asthmatherapie
Die GINA-Leitlinien 2026 unterstreichen erneut die Bedeutung eines modernen, evidenzbasierten Asthmamanagements auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse. Der Bericht basiert auf einer kontinuierlichen, systematischen Literaturbewertung durch ein internationales Expertengremium und berücksichtigt sowohl globale Versorgungsrealitäten als auch neue therapeutische Entwicklungen.
Im Fokus der aktuellen Empfehlungen steht weiterhin das Verständnis von Asthma als chronisch entzündliche Erkrankung, die eine konsequente antiinflammatorische Behandlung erfordert. Insbesondere wird die Rolle von Biomarkern gestärkt, die nicht nur für die Diagnostik, sondern auch für die individuelle Therapiesteuerung zunehmend relevant sind.
Zudem bestätigen die GINA-Leitlinien 2026 den Paradigmenwechsel weg von einer reinen Bedarfsmedikation mit kurz wirksamen Bronchodilatatoren hin zu ICS-haltigen Therapiestrategien sowie die Bedeutung strukturierter Algorithmen für das Management akuter Exazerbationen und schwerer Verläufe.
Ziel bleibt eine möglichst umfassende Krankheitskontrolle bis hin zur Remission, um Exazerbationen zu vermeiden und die Lebensqualität von Patienten nachhaltig zu verbessern.
Am Ende dieser Fortbildung werden Sie…
- die wesentlichen Neuerungen des GINA-Reports 2026 in Diagnostik, Therapie und Management des Asthmas benennen und einordnen können,
- die Bedeutung von Biomarkern für die Diagnosestellung und individualisierte Therapieentscheidungen beim Asthma erläutern können,
- aktuelle Therapiealgorithmen einschließlich der Rolle ICS-haltiger Strategien gemäß GINA-Empfehlungen sicher anwenden und von veralteten SABA-basierten Konzepten abgrenzen können,
- akute Asthmaexazerbationen leitliniengerecht einschätzen und behandeln sowie deren Bedeutung für die Optimierung der Langzeittherapie interpretieren können.
Aktuelle Entwicklungen der GINA-Leitlinien 2026 zur Asthmadiagnostik und -therapie
Der vorliegende CME-Kurs basiert auf einer fachlichen Diskussion zentraler Inhalte des aktuellen GINA-Reports 2026 (GINA: Global Initiative for Asthma) und beleuchtet praxisrelevante Neuerungen in Diagnostik, Therapie und Management des Asthma. Neben den strukturellen Grundlagen der Leitlinienentwicklung werden insbesondere die klinischen Implikationen für die Versorgung von Patienten im deutschsprachigen Raum herausgestellt.
Entstehung und Bedeutung des GINA-Reports
Die GINA-Leitlinien werden von einem internationalen Expertengremium erarbeitet, das sich aus 19 Fachleuten verschiedener Länder zusammensetzt. Zweimal jährlich erfolgt eine systematische Literaturrecherche, um aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse umfassend zu berücksichtigen. Die Empfehlungen reflektieren dabei sowohl hochentwickelte Gesundheitssysteme als auch ressourcenlimitierte Settings, was eine globale Anwendbarkeit bei gleichzeitiger Berücksichtigung regionaler Unterschiede gewährleistet.
Weiterentwicklung der Asthmadiagnostik
Ein zentraler Schwerpunkt des GINA-Reports 2026 liegt auf der zunehmenden Bedeutung von Biomarkern. Besonders relevant sind hierbei eosinophile Granulozyten im Blut, das fraktionierte exhalierte Stickstoffmonoxid (FeNO) sowie Immunglobulin E (IgE) als Hinweis auf allergische Pathomechanismen. Diese Parameter gewinnen nicht nur für die Diagnostik, sondern auch für die individualisierte Therapieentscheidung an Bedeutung. Hinsichtlich der Lungenfunktionsdiagnostik wurde eine Anpassung der Kriterien für den Bronchospasmolysetest diskutiert. Die bestehenden Grenzwerte (≥12 % und ≥200 ml FEV₁-Anstieg) wurden jedoch beibehalten, da alternative Definitionen das Risiko einer Unterdiagnose erhöhen könnten.
Management akuter Asthmaexazerbationen
Der aktuelle Report führt neue, differenzierte Algorithmen zur Einschätzung und Behandlung akuter Asthmaanfälle ein. Dabei erfolgt eine klare Klassifikation in leichtgradige, mittelgradige und schwere bzw. lebensbedrohliche Exazerbationen. Neu hervorgehoben wird unter anderem:
- Ein gezielter Einsatz von Sauerstoff (empfohlen bei SpO₂ <92 %, Zielbereich bis etwa 95 %)
- Frühzeitige Eskalation der Therapie je nach Schweregrad
- Verpflichtende Reevaluation nach wenigen Stunden sowie engmaschige Nachkontrolle innerhalb von zwei bis sieben Tagen nach einer akuten Episode
Besonders betont wird, dass jede akute Asthmaexazerbation als Warnsignal („Red Flag”) verstanden werden sollte und Anlass zur Überprüfung der Langzeittherapie ist.
Paradigmenwechsel in der Asthmatherapie
Ein wesentlicher Bestandteil der GINA-Strategie bleibt die konsequente Abkehr von der alleinigen Anwendung kurz wirksamer β₂-Agonisten (SABA). Asthma wird ausdrücklich als chronisch entzündliche Erkrankung verstanden, die eine kontinuierliche antiinflammatorische Therapie erfordert. Für die Therapie ergeben sich folgende Kernaussagen:
- Stufe 1 bis 2 (mildes Asthma): Bevorzugt wird eine Fixkombination aus inhalativem Kortikosteroid (ICS) und schnell wirksamen Bronchodilatator, auch als Bedarfstherapie.
- Track-I-Strategie: ICS-Formoterol als antiinflammatorischer Reliever bleibt die bevorzugte Behandlungsoption für Jugendliche und Erwachsene.
- Track-II-Strategie: Auch hier wird zunehmend der Einsatz von ICS-haltigen Kombinationen für die Bedarfsmedikation empfohlen, um eine Monotherapie mit SABA zu vermeiden.
Diese Strategie soll sicherstellen, dass Patienten auch bei Bedarfstherapie eine antientzündliche Behandlung erhalten.
Therapie des schweren Asthmas
Bei schwerem Asthma (Stufe 5) wird zunächst eine Optimierung der inhalativen Therapie empfohlen:
- Steigerung auf hohe ICS-Dosen
- Ergänzung durch lang wirksame Muskarinantagonisten (LAMA)
- Einsatz von Triple-Therapien (ICS/LABA/LAMA)
Der Einsatz von Biologika sollte erst nach Ausschöpfung dieser Optionen erfolgen. Dabei wurden neue Entwicklungen berücksichtigt, darunter:
- Einführung eines Omalizumab-Biosimilars
- Verfügbarkeit neuer Biologika mit verlängerten Applikationsintervallen (z. B. halbjährliche Gabe)
Bedeutung des Remissionskonzeptes
Ein wichtiger konzeptioneller Fortschritt ist die stärkere Integration des Begriffes „Remission” als Therapieziel. Angestrebt werden:
- Vollständige Symptomkontrolle
- Vermeidung von Exazerbationen
- Stabile oder verbesserte Lungenfunktion
- Kein Bedarf an systemischen Kortikosteroiden
Damit geht das Konzept über die klassische Symptombeurteilung hinaus und adressiert eine langfristige Krankheitskontrolle. Die Remission soll künftig für alle Schweregrade des Asthmas als realistisches Therapieziel betrachtet werden.
Herausforderungen in der praktischen Umsetzung
Trotz der klaren Empfehlungen bestehen weiterhin Herausforderungen in der klinischen Praxis, insbesondere:
- Umsetzung antiinflammatorischer Bedarfskonzepte (z. B. MART/AIR)
- Verbesserung des Krankheitsverständnisses bei den Patienten
- Zugang zu diagnostischen Biomarkern (z. B. fehlende Kostenerstattung für FeNO in Deutschland)
Zudem wird die Notwendigkeit nationaler Leitlinien betont, die internationale Empfehlungen in lokale Versorgungskontexte übersetzen und regulatorische Besonderheiten berücksichtigen.
Perspektiven und zukünftige Entwicklungen
Offene Fragen betreffen insbesondere:
- Phänotypspezifische Therapieentscheidungen
- Optimaler Zeitpunkt für den Einsatz von Biologika
- Sicherheit moderner Therapien in besonderen Situationen (z. B. Schwangerschaft)
- Entwicklung klarer Algorithmen zur individualisierten Therapieauswahl
Diese Themen werden voraussichtlich in zukünftigen GINA-Updates weiter adressiert.
Fazit
Der GINA-Report 2026 bestätigt den Paradigmenwechsel hin zu einer konsequent antiinflammatorisch ausgerichteten Asthmatherapie und stärkt die Rolle individualisierter Behandlungsstrategien. Biomarker, moderne inhalative Kombinationstherapien und Biologika ermöglichen eine differenzierte Versorgung mit dem Ziel einer möglichst vollständigen Krankheitskontrolle bis hin zur Remission. Gleichzeitig bleibt die Umsetzung in die Praxis eine zentrale Herausforderung, die sowohl ärztliche Schulung als auch Patientenedukation erfordert.
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Klinische Abteilung für Pneumologie
Medizinische Universität Graz
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Prof. Buhl erhielt Honorare von AstraZeneca, Berlin-Chemie, Boehringer Ingelheim, Celltrion, Chiesi, GlaxoSmithKline, Novartis, Sanofi.
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