Highlights vom DGN 2025 in Berlin

Perspektiven vom 98. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie

Der DGN 2025 in Berlin

Beim 98. DGN-Kongress in Berlin zeigte sich deutlich: Die Neurologie hat ihre frühere Rolle als primär diagnostisches Fach hinter sich gelassen. Das Fachgebiet wandelt sich zunehmend zu einer interventionell ausgerichteten Disziplin. Allerdings steht dem wissenschaftlichen Fortschritt eine komplexe Versorgungsrealität gegenüber. Die zentrale Frage lautet heute: Wie lassen sich moderne Therapieverfahren praktisch umsetzen?

Schwerpunkt: Antikörpertherapien gegen Alzheimer

Die kausale Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen dominierte die Kongressdiskussionen. Anti-Amyloid-Antikörper markieren einen Wendepunkt in der Behandlung.

Die Plaque-Reduktion ist wissenschaftlich belegt, doch die praktische Anwendung stellt große Herausforderungen dar. Besonders wichtig ist die sorgfältige Auswahl geeigneter Patienten. Das Risiko bildgebender Auffälligkeiten (ARIA) macht regelmäßige Kontrollen erforderlich.

Die Umsetzung scheitert oft an begrenzten Ressourcen: Regelmäßige MRT-Untersuchungen zur Überwachung sind nötig, doch die radiologischen Kapazitäten sind vielerorts erschöpft. Therapieentscheidungen hängen zunehmend von verfügbaren Untersuchungsterminen und Behandlungsplätzen ab.

Blut-Biomarker als Lösungsansatz

Blutbasierte Biomarker könnten diese Engpässe entschärfen. Diskutiert wurde, ob Marker wie Phospho-Tau im Plasma aufwendige Liquoruntersuchungen oder PET-Scans als Vorauswahl ersetzen können.

Vielversprechende Studiendaten wurden vorgestellt. Zuverlässige Bluttests würden eine effiziente Patientenfilterung ermöglichen und Ressourcen gezielt für therapiefähige Fälle einsetzen lassen – ein wichtiger Schritt zur breiteren Verfügbarkeit spezialisierter Behandlungen.

Praxisorientierte Formate

Die "Klinik kompakt"-Sitzungen boten konkrete Handlungsempfehlungen für den klinischen Alltag. Themen wie neuropsychiatrische Akutsituationen oder Schwindeldiagnostik zeigten: Neben molekularen Innovationen bleiben klinische Expertise und diagnostisches Können unverzichtbar.

Ausblick

Der Kongress verdeutlichte die Dynamik der modernen Neurologie. Kausale Therapieoptionen existieren bereits. Die künftige Hauptaufgabe liegt in der organisatorischen Umsetzung: Es müssen Strukturen geschaffen werden, die neue Therapien sicher und wirtschaftlich zugänglich machen. Für Fachärzte bedeutet dies wachsende Komplexität bei gleichzeitig steigender therapeutischer Wirksamkeit.